Auch der pünktliche Besucher konnte eine gut aufgelegte einheimische Band aus Lingen und Umgebung erleben. Die elfköpfige Band, dicht gedrängt auf der kleinen Bühne, spielte ausschließlich Coverversionen bekannter Blues- und Soulstandards. Und das mit einem versierten Gebläse, präzise auf den Punkt, gruppendienlich mit viel Feeling. Solide auch die Rhytmusgruppe, äußerst effektiv im Hintergrund, auch die Gitarrenarbeit überzeugte das fachkundige Publikum. Im Outfit der Bluesbrothers - dunkle Sonnenbrille, schwarzer Hut, schwarzer Anzug - wurde gegroovt; "In the Midnight Hour", "Soulman" und auch Joe-Cocker- Songs gelangen der Band, von der man gern häufiger hören würde. Bleibt noch die Frage: Wer um Himmels Willen ist "Pignose"?
Nach kurzer Umbaupause erschien dann die "Keith Dunn Band". Mit minimalem technischem Equipment, Verzicht auf jegliches Effektgerät, dafür eine fast historische Ludwig-Drum aus den 50er Jahren, hatte man das Publikum schon nach den ersten Takten für sich gewonnen. Frontmann Keith Dunn aus Boston (USA), dunkler Anzug, gelbe Schuhe, bläst die Bluesharp, als ob es um Leben ginge: Sie weint und lacht, liebt und verachtet, ist zärtlich und fordernd. Dazu diewarme Stimme des Sängers, gelegentlich durch das "Lampenmikrophon" verfremdet, begeisterte Aufmerksamkeit des Publikums und spontaner Applaus dankten dem Künstler. Ebenso der Mann am E-Piano: Christian Rannenberg, der einzige Deutsche in dieser international besetzten Bluesband. Der gebürtige Osnabrücker wird zu Recht zu den großen am Bluespiano gerechnet. Gerade sein Spiel rettete den einen oder anderen sentimentalen Song davor, in die Gefühlsduseligkeit abzurutschen. Songdienlich ordnete er sich der Band unter, virtuos seine Soli, so richtig nach dem Sinn des Bluesfans.
Im zweiten Set dieses Konzerts konnte der Gitarrist Willem van Dullemen sein Können unter Beweis stellen. Vom leisen und glasklaren Ton bis zur so typischen "schmutzigen" Blue-Note - der Mann spielte überzeugenden Blues. Mehr im Hintergrund zupfte Lut Luttik mit Hingabe den Kontrabaß. Zusammenmit dem sensiblen Schlagzeuger John Gerritse kreierten die zwei einen warmen, angenehmen Sound, der richtige Rhytmusteppich für die drei anderen Bluesvirtuosen.
Offensichtlich erging es den Musikern wie dem Publikum im total überfüllten
Heimathaus. Sie konnten nicht genug bekommen vom meisterhaft gespielten Chicagoblues.
Nach mehr als einer Stunde Zugaben verließ eine erschöpfte Band die Bühne. Kommentar
eines Besuchers: "Daß ich das noch erleben durfte!" Das Konzert der "Keith Dunn Band"
war sicherlich einer der herausragenden Höhepunkte des so erfolgreichen Twister
Heimathausprogramms. Dort wird auch noch andere Musik gespielt, doch das ist eine andere
Geschichte der Kultur auf dem Dorf Twist, zwar schwer zu finden, aber der Besuch lohnt
sich.